Kinder und Jugendparlament – eine Farce?
11.12.2009 11:06
Kinder und Jugendparlament – eine Farce?
Einmal auch die Kinder und Jugendlichen nach ihrer Meinung fragen, schön und gut, aber welchen Sinn hat es, wenn die Antwort nicht gehört wird?
Um der allgemeinen Politikverdrossenheit von Jugendlichen zu begegnen, gibt es das ÖVP - Projekt „Kinder- und Jugendparlament“. Mit Kindern und Jugendlichen, also 7 bis 9 bzw. 14 bis 16-jährigen werden in Workshops Vorschläge zur Verbesserung des eigenen Lebensumfelds im Bezirk ausgearbeitet. Dann werden pro Schulklasse zwei VertreterInnen gewählt, die in einer ersten Sitzung, ihre fertigen Anträge an die Bezirksvertretung präsentieren dürfen. Danach gehen die Anträge in einen Ausschuss, in dem sie weiter bearbeitet werden und ihre Umsetzung beschlossen wird. In einer zweiten Sitzung werden den Jugendlichen die endgültigen Ergebnisse präsentiert.
An sich keine schlechte Idee, nähme die Bezirksvertretung der Inneren Stadt die Wünsche und Anregungen der Jugendlichen auch tatsächlich ernst. Die Verbesserungsvorschläge der Kinder drehen sich um Themen wie den Ausbau von Spielplätzen, Fußgängerampeln, das schnellere Wegräumen von Hundekot und Scherben sowie um die Reinigung von WCs auf Spielplätzen – also keineswegs kindlich naive Forderungen sondern sinnvolle und nachvollziehbare Ideen. Die älteren Jugendlichen haben schon etwas größere Vorschläge, wie eine Galerie für Kunst von Jugendlichen, ein Jugendcafé als konsumzwangfreien Aufenthaltsraum oder Workshops zu Zivilcourage und Antirassismus. Einen Bandcontest anlässlich der Eröffnung des neuen Rudolfsparks hätten sich die Jugendlichen sogar gerne selbst organisiert. Die Ideen zeugen von Kreativität und Engagement und dennoch wurde von den zwanzig eingebrachten Anträgen nur ein einziger von der Bezirksvertretung angenommen. Es handelt sich eine Bank vor dem Akademischen Gymnasium. Das Budget für die Anliegen der Jugendlichen ist lächerlich gering, während für ein neues Pflaster auf der Kärntnerstraße 18,8 Mio. nicht zu viel sind.
Auch in der letzten Bezirksvertretungssitzung am 25.11. wurden wieder
zwei Anträge für Jugendliche von der Bezirksvertretung mit einer Abschätzigkeit, die bezeugt, dass keinerlei Interesse an Jugendthemen vorhanden ist, abgelehnt.
Man muss sich fragen, was denn nun die Jugendlichen in diesem Projekt über Politik lernen sollen. Dass man schon froh sein kann, wenn man einmal sagen durfte, was man gerne hätte? In der Projektbeschreibung der ÖVP heißt es, man wolle, dass die Kinder und Jugendlichen ihr Umfeld mit „den Augen eines Politikers betrachten“. Aber wäre es nicht die Aufgabe der Politiker die Welt mit den Augen der Kinder und Jugendlichen zu betrachten? Diese Art der politischen Bildung wird die Politikverdrossenheit der Jugendlichen nur schwer heilen können, vielleicht ist sie vielmehr ihre Ursache.
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