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am 6. Mai 2021

Das Jahr der fallenden Statuen

Timon Schrofner - Der Mord an George Floyd im Mai 2020 löste weltweit massive Proteste aus - vor allem in den USA brachten diese auch zahlreiche rassistische Denkmäler zu Fall. In Wien kam Dr. Karl Lueger mit einem "Schande" - Grafitti davon - aber wie lange wird er sich noch auf den Beinen halten können?

"i Can't breathe"

​Der systematische Rassismus ist noch lange nicht besiegt. Ein deutliches Zeichen dafür war der Mord am Afroamerikaner George Floyd in Minneapolis Ende Mai 2020. Ein weißer Polizist kniete so lange auf Floyds Hals, bis dieser tot war. 

Die Folge war eine Reihe der heftigsten Proteste der Geschichte. Supermärkte, Geschäfte, Polizeistationen und andere öffentliche Gebäude wurden zuerst in Minneapolis, dann in weiteren Teilen der USA geplündert und in Brand gesetzt. Es kam zu gewalttätigen und tödlichen Konfrontationen mit der Polizei bei Protesten gegen Rassismus auf der ganzen Welt - und bald auch zum Kampf gegen die zahllosen Erinnerungsstücke an Sklaverei und Unterdrückung.


Jahrhunderte der Diskriminierung

​Die Entdeckung Amerikas brachte viele Schätze nach Europa und viel Gewalt in die sogenannte "Neue Welt". Die indigene Bevölkerung wurde gewaltsam vertrieben und ermordet. Auf deren ehemaligen Lebensraum errichteten die Kolonialist*innen unter anderem große Farmen. 

Als Arbeitskräfte dafür schifften die Europäer*innen afrikanische Sklav*innen nach Amerika. Nach dem Ende der Sklaverei herrschte in den USA die "Rassentrennung" und bis heute wird die afroamerikanische Bevölkerung benachteiligt oder gar - wie George Floyd - auf offener Straße von der Polizei ermordet

Die USA haben eine lange Geschichte des Rassismus - und viele Denkmäler erinnern schmerzlich daran. Christopher Columbus, Südstaaten-Offiziere des Bürgerkrieges, welche für den Erhalt der Sklaverei kämpften, ja auch Sklavenhalter schmücken bis heute stolz und heldenhaft unzählige prominente Plätze des Landes.


Schande weit und breit 

​Problematische Denkmäler gibt es jedoch nicht nur in den USA:

Deutschland

In Hamburg steht eine über 30 Meter hohe Otto von Bismarck - Statue, der als Wegbereiter des deutschen Kolonialismus in Afrika und als überzeugter Antisemit gilt. Die Hamburger Grünen diskutieren aktuell den richtigen Umgang mit diesem Denkmal.

Vereinigtes Königreich

​In Bristol stand bis 2020 ein Denkmal für Edward Colston - welcher an der Versklavung von über 80.000 Menschen beteiligt war. Im Zuge der weltweiten "Black Lives Matter" - Proteste wurde die Statue gestürzt.




"Cancel Culture" als Gedenkkultur?

Wenn solche problematischen Denkmäler fallen, wird den Demonstrierenden oft "Cancel Culture" vorgeworfen. Statt Geschichte zu vergessen, möge man einen Dialog starten und eine zivilisierte Erinnerungskultur leben. 

Kann man von den Betroffenen wirklich verlangen, immer wieder mit einer schmerzhaften Vergangenheit konfrontiert zu werden, statt vergessen zu dürfen​? 

Diese Frage stellt sich überall, wo Denkmäler in direkter Verbindung mit großem Unrecht stehen. In Wien ist mit Dr. Karl Lueger einer der prominentesten Antisemiten der letzten Jahrhunderte ein fester Bestandteil des Stadtbildes. 

Wir Grüne Innere Stadt wollen das nicht länger zulassen!


Auf dem BIld sind Black Lives Matter Demonstranten mit Feuer im HIntergrund zu sehen.
"I can`t breathe" - George Floyds letzte Worte wurden zu einem Slogan der "Black Lives Matter" - Bewegung. [Bild: Hungryogrephotos, Wikimedia Commons (CC0)]

Auf dem Bild ist der leere Sockel des Albert Pike - Denkmals zu sehen.
Nur mehr ein leerer Sockel bleibt übrig, wenn die "BLM"-Demonstrant*innen mit einem rassistischen Denkmal fertig sind. [Bild: AgnosticPreachersKid, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)]


Auf dem Bild ist auf der linken Seite das Bismarck-Denkmal in Hamburg und auf der rechte Seite das Colston Denkmal mit entfernter Statue in Bristol zu sehen.
Links: Die Bismarck-Statue in Hamburg. Rechts: Das Edward Colston-Denkmal in Bristol mit entfernter Statue. [Bilder: Wikimedia Commons, Dirtsc (CC BY-SA 4.0) / Caitlin Hobbs (CC BY 3.0)]

Das Karl-Lueger-Denkmal im 1. Bezirk
Das Dr. Karl Lueger - Denkmal in Wien. (Bild: Grüne Penzing)