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am 6. Dezember 2014

Barockjuwel Schwertgasse 3 – Entscheiden statt Herumeiern

Alexander Hirschenhauser - Der Bauausschuss Innere Stadt drückt sich seit Juni 2014 vor einer Entscheidung. Dieses Bauprojekt wäre von Anfang an abzulehnen gewesen, doch nun ist der Zeitpunkt gekommen, endlich einmal „NEIN“ zu sagen.

Seit 6 Monaten liegt dem Bauausschuss Innere Stadt das Projekt Schwertgasse 3 zur Entscheidung vor. Es handelt sich um das denkmalgeschützte Haus „Zu den sieben Schwertern“ mit einem im Originalzustand erhaltenen Innenhof samt Schwalbenpawlatschen und Barockhimmel. Im Dachgeschoß befinden sich seit 250 Jahren Mansardenwohnungen. Adalbert Stifter lebte und arbeitete in diesem Haus ebenso wie Franz Hebenstreit und Freiherr von Riedel, zwei der konsequentesten Vorkämpfer für eine demokratisch-republikanische Staatsform in Österreich.

Zerstörung von Kulturgut?

Nun soll über dem bestehenden Mansardengeschoß nochmals eine Etage ausgebaut werden, obwohl die Wiener Bauordnung keine weiteren Dachgeschoße über einem bereits ausgebauten Dachgeschoß erlaubt. Der hochbarocke Dachstuhl soll seine Funktion verlieren, weil darüber eine neue Dachkonstruktion aus Stahl gesetzt wird. Viele Balken des Dachstuhls würden dann die Sicht durch die geplanten Panoramafenster stören, tragende Funktion hätten sie ohnedies nicht mehr – wieviel Fantasie ist notwendig, um uns vorzustellen, was mit diesen Zeugnissen barocker Zimmermannskunst früher oder später passieren würde? Stellen Sie sich vor, Sie kaufen um etwa € 2 Mio. ein Dachpalazzo und dann verstellen alte Holzbalken ohne Funktion den Blick über Wien…

Immo Mobbing?

Aber auch die Begleitmusik dieses Immobilienprojekts in der Altstadt klingt alles andere als schön: Immer wieder wird uns berichtet, wie im Vorfeld solcher Projekte sanfter oder auch stärkerer Druck ausgeübt wird, um die Wohnungen „bestandsfrei“ zu bekommen. Wir wissen nicht, wie es in diesem Fall gelaufen ist. Tatsache ist: Ein guter Teil der Wohnungen in diesem Haus ist bereits unbewohnt. Die wenigen verbliebenen Hausparteien fürchten sich vor Räumungsklagen, sobald die Baubewilligung da ist und ein Mieter kämpft bereits vor Gericht gegen die Kündigung an. Und dies, obwohl die BewohnerInnen des Hauses 30 Jahre lang die im Sinne des Denkmalschutzes notwendigen Renovierungen des Hauses nach § 7 und § 8 MRG bezahlt haben!

Durchwinken als geschmeidig eingespielte Routine

2013 wurden die ersten Pläne bekannt, im Juni 2014 legte die Baubehörde diese Pläne dem Bauausschuss Innere Stadt vor. Der zuständige Dezernatsleiter der Baubehörde hatte das Projekt zuvor bereits verniedlichend als „thermische Sanierung“ charakterisiert. Nun wären die Pläne ausreichend geprüft und beschlussreif. Es bliebe gar nichts anderes übrig als zuzustimmen, ansonsten käme man in die Gefahr der Amtshaftung. Das Projekt hätte also wie so oft einfach durchgewunken werden sollen. Wir Grüne in der Inneren Stadt wollten dieses Projekt sofort ablehnen und die HausbewohnerInnen waren bereits im Vorfeld massiv in die Öffentlichkeit gegangen. Und so kam es, dass der Bauakt vertagt wurde, um auf eine Stellungnahme des Denkmalamtes zu warten. Scheinbar war den anderen Faktionen im Bezirk dieses Eisen mittlerweile zu heiß geworden, man drückte sich vor einer Entscheidung…

Einreichpläne sind nicht glaubwürdig

Auch die Leitung des Denkmalamtes signalisierte trotz massiver interner Kritik, dass keine denkmalpflegerischen Bedenken bestünden. Durch Medienberichte aufmerksam geworden, beauftrage dann das übergeordnete Ministerium ein externes Gutachten, das mittlerweile vorliegt und eine Vielzahl an Ungereimtheiten in den Einreichplänen aufzeigt. Nach Durchsicht dieses Gutachtens war für uns klar: Die eingereichten Pläne sind nicht glaubwürdig. Entweder wurde nicht ausreichend geprüft oder…<?>… Wir können jedenfalls nicht nachvollziehen, warum die Baubehörde diesen Bauakt als beschlussreif zur Genehmigung vorgelegt hat.

Die ÖVP Innere Stadt drückt sich vor der Entscheidung

Wir können auch nicht nachvollziehen, warum die ÖVP Innere Stadt und BV Ursula Stenzel die Entscheidung den ganzen Herbst über trotz Aufforderung unsererseits konsequent nicht auf die Tagesordnung des Bauauschuss gesetzt hat. Auch SPÖ und FPÖ verhielten sich bisher hinhaltend. Nur für uns Grüne war immer sonnenklar: Dieses Bauprojekt darf nicht genehmigt werden. Wir wurden nicht als MandatarInnen gewählt, um uns vor Entscheidungen zu drücken.

„Nein“ zu rücksichtsloser Immobilienentwicklung

Doch nun scheint der Zeitpunkt gekommen, wo alle Farbe bekennen (müssen): Es ist uns gelungen, auch die SPÖ ins Boot zu holen. Gemeinsam beantragten wir eine Sondersitzung noch in diesem Jahr, um über das Bauprojekt Schwertgasse 3 zu entscheiden. Und es wird nur eine richtige Entscheidung geben: 

Das Barockportal
Straßenansicht
Innenhof mit Barockhimmel und Schwalbenpawlatschen
Dachbalken vor Panoramafenster...
Statue im Stiegenhaus
NEIN zu diesem Projekt! JA zur Rettung des Barockjuwels Schwertgasse 3!