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am 2. März

Wie Frauen* der Inneren Stadt die Krise stemmen

Lea Samonig BA - Der 110. Internationale Frauentag am 8. März steht ganz im Zeichen der Covid-19-Pandemie. Frauen* stemmen die Krise und sind gleichzeitig am stärksten von ihr betroffen. Wir stellen Frauen* der Inneren Stadt vor und berichten davon, wie sie Außerordentliches in der Krise leisten.

Krisen sind nicht geschlechtsneutral

Als zu Beginn letzten Jahres die Corona-Pandemie ihren Anfang nahm, wurden Frauen* weltweit als Heldinnen beklatscht und gefeiert. Die Gesundheitskrise hat erfahrbar gemacht, dass es vor allem Frauen* sind, die in systemrelevanten Berufen wesentliche Grundfunktionen von Staat und Gesellschaft gewährleisten. Systemrelevante Beschäftigungen in Einzelhandel, Bildung, Pflege oder Gesundheit sind jedoch nicht nur vermehrt weiblich, sondern auch überdurchschnittlich prekär. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass oft unter schlechten Bedingungen, unterbezahlt und mit mangelnden arbeitsrechtlichen Absicherungen gearbeitet wird. 

Was anfangs also ein wohlwollendes Zeichen der Anerkennung war, dem wohnt mittlerweile ein gewisser bitterer Beigeschmack bei. Denn am materiellen status quo der vielen Frauen*, die zu einem Großteil die Krise stemmen, hat sich seither wenig verändert. Applaus ist aber nicht genug, wenn er nicht auch von einer substantiellen Verbesserung der Lebensverhältnisse begleitet wird. 

Krisen sind nicht geschlechtsneutral. Im Gegenteil – denn sie haben es an sich, bestehende Ungleichheits-
verhältnisse zu verstärken und diese zu reproduzieren. Krisen schreiben fort und bekräftigen, was bereits alltägliche Zumutung ist. Frauen* sind in der Krise überdurchschnittlich stark von einem Verlust des Arbeitsplatzes betroffen. Sie leisten den Großteil unbezahlter Sorge- und Hausarbeit und füllen die Lücken in Pflege und Kinderbetreuung, die mangelhafte soziale Sicherheitsnetze zurück lassen. Die Corona-Pandemie verstärkt Mehrfachbelastungen von Frauen* und baut mühsam erkämpfte Erfolge rapide ab. ​

Starke frauen* der InNenstadt

Veronika Schöll
Preet Kahlon
Teresa Fiedler

Veronika Schöll

Veronika Schöll ist Inhaberin der Frühstückspension Lerner in der Wipplingerstraße 23 und Mutter zweier Söhne. Was ein Jahr Corona-Pandemie für die Hotellerie-Branche bedeutet, weiß sie nur zu gut. Als Einzelunternehmerin kämpft Veronika täglich um das Bestehen ihrer Pension, die vor der Krise gesund und schuldenfrei war. Damit wird auch die Angst vor Altersarmut zu einer weiteren mentalen Herausforderung. Denn die finanzielle Belastung der Krise und die unzureichenden staatlichen Hilfsgelder machen eine ausreichende Pensionsfürsorge derzeit unmöglich. Dennoch gilt für Veronika weiterhin: „Durchbeißen“ und auch die Menschen in ihrem Umfeld so gut wie möglich unterstützen. So beschäftigt Veronika trotz der finanziellen Situation weiterhin zwei Personen in Kurzarbeit. Auch das heißt Frau sein in der Krise – Empathie mit anderen auch dann, wenn die eigene Situation schon schwierig genug ist.

Preet Kahlon

Preet Kahlon ist Leiterin der Anker-Filiale am Hohen Markt. Mit ihrem Team sorgt sie dafür, dass Menschen auch im Lockdown stets mit frischem Brot und Gebäck versorgt sind. Obwohl die Arbeitsbedingungen mit Maske und der Kund*innenkontakt deutlich erschwert sind, sind Preet und ihr Team immer motiviert geblieben. Ihre Aufgabe als Teamleitung sieht Preet vor allem darin, das Team gut durch die Krise zu bringen und auf bestehende Aufgaben vorzubereiten. Eine wahre Heldin des Alltags. 

Teresa Fiedler

Teresa Fiedler arbeitet seit Oktober 2020 in der Abteilung für Infektionsepidemiologie der AGES, Agentur für Gesundheit- und Ernährungssicherheit. Ihre Abteilung führt jene Clusteranalysen durch, die die Corona-Kommission bei der Maßnahmenentscheidung unterstützen. Teresa ist dankbar, einen krisensicheren Job gefunden zu haben, der es ihr auch ohne Ausbildung im Gesundheitsbereich ermöglicht, einen Beitrag zur Pandemiebekämpfung zu leisten. Ihre Arbeit für die AGES schätzt sie auch aus anderen Gründen: „Dadurch, dass die AGES mehr Frauen als Männer beschäftigt, fühle ich mich als junge Frau, die gerade erst in der Arbeitswelt Fuß fasst, sehr wohl und wertgeschätzt. Ich würde mir wünschen, dass dies im naturwissenschaftlichen Bereich bald nicht mehr zur Ausnahme gehört. Wenn mich diese Pandemie eines gelehrt hat, dann dass in uns Frauen so viel mehr Potential und Können steckt. Auch in Bereichen, die wir uns vielleicht zuerst nicht zutrauen würden."

Linda

Linda

Als Angestellte der Wunderbar in der Schönlaterngasse kam Linda vor dem Lockdown die wichtige Rolle der Freundin und Seelsorgerin für viele Gäste zu. Als die Wunderbar dann wegen der Coronavirus-Verordnungen schloss, war Linda mit einer für sie neuen Situation konfrontiert. Der unvorhersehbar lange Lockdown bedeutete, dass sie zum ersten Mal in ihrem erwachsenen Leben ihre Eltern um finanzielle Hilfe bitten musste. Denn wie bei vielen anderen auch, reichen die Ersparnisse nicht aus, um mehr als vier Monate Corona-bedingte Arbeitslosigkeit alleine zu stemmen. 

Doch Linda bleibt optimistisch: Sie freut sich über die Möglichkeit, einmal bedingungslos loslassen zu können und sich ihren wahren Leidenschaften zu widmen - so hat sie vor, künftig Yogalehrerin zu sein, auch wenn sie uns vielleicht bald wieder in ihrer geliebten Wunderbar bewirten darf.​