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am 15. Mai 2015

Konsumverhalten überdenken

Conny Schmeller - Wie Flüchtlingsleid und unser Konsumverhalten zusammenhängen. Und was wir selbst beitragen können.

Ich werde von mir selbst und anderen ständig mit der Frage konfrontiert – was können wir schon tun, um den Flüchtlingen aus Afrika zu helfen? Ich finde, es kann jeder Einzelne etwas dazu beitragen und jeder Einzelne ist wichtig. Spenden ist immer gut.

Meiner Meinung nach ist es aber auch ganz wichtig, unser Konsumverhalten zu überdenken – Mitdenken, Zivilcourage, ein diffizileres Befinden sind wohl gefragt. Reicht das übliche Grüne Credo „regional – saisonal“ (also nicht unbedingt Erdbeeren im Jänner und so fort…)?

Es geht viel weiter – und ich bitte alle, doch beim Einkaufen immer etwas genauer hinzuschauen, denn genau da liegt unter anderem unsere persönliche Verantwortung für Afrika. Nicht jedes Bio- und Gütesiegel ist gleich gut, auch hier: MITDENKEN und INFORMIEREN (z.B. auf innerestadt.gruene.at)

Einige Beispiele, Fortsetzung folgt:

Rosen

Insgesamt landen jährlich etwa 85 Prozent der kenianischen Schnittblumen in europäischen Wohnungen und Hotels. Das Land ist Afrikas größter Rosenexporteur. Doch das dafür genutzte Land fehlt zur Erzeugung von Lebensmitteln und die Abwässer der Farmen, belastet mit Pestiziden und Dünger, werden ungefiltert in den Naivasha See geleitet. Und zumal viele Parlamentsabgeordnete Gesellschafter von Blumenfarmen sind, fließen die meisten der Euros direkt in die Hände der kenianischen Politik.

Schokolade

Es arbeiten 820.000 Kinder in der Elfenbeinküste und ca. 1 Million Kinder in Ghana auf Kakaoplantagen – unter Bedingungen, die laut internationalen Bestimmungen von ILO und UN (ILO Richtlinien 182 und 138, UN Kinderrechtskonvention Artikel 32/1) strengstens verboten sind.

Fische

Die einen bekommen Fisch im Überfluss, die anderen gehen leer aus: Weil die EU Millionen Euro an korrupte Staaten zahlt, dürfen europäische Trawler die Fanggründe vor der Küste Afrikas plündern. "Cash for Fish" heißt das fragwürdige Geschäft – für die Einheimischen bleibt fast nichts übrig.

Marokko verkauft regelmäßig Fischereirechte an Europa und erhält dafür jährlich 36,1 Millionen Euro. Im Gegenzug darf die EU-Flotte vor Marokko fischen. Und wie selbstverständlich gehen die Europäische Union und Marokko davon aus, dass auch die fischreichen Gewässer vor Westsahara eingeschlossen sind.

Kinderarbeit ist auf Kakaoplantagen weit verbreitet
Wenn EU-Trawler alles leerfischen, bleiben die lokalen Fischerboote im Hafen
Konsumverhalten hinterfragen und bedenken:

  • ​​Wir müssen nicht so viel unnötigen Müll erzeugen – KEIN Essen wegwerfen 
  • Rosen, Schokolade: „Fair Trade“ ist kein Allheilmittel, aber doch auf einem guten Weg
  • Besser inländischen Fisch kaufen – die Verkäufer klären erfahrungsgemäß gerne auf
    ​und geben Empfehlungen 
  • Kleidung lieber teurer, dafür schicker und länger tragbar 
  • Wir brauchen nicht jedes halbe Jahr ein neues Handy und einen neuen Computer und
    ​ein neues Tablet 
  • Mobilitätsverhalten – beim Autofahren daran denken, dass auch Biosprit aus Pflanzen
    ​gewonnen wird, die man ESSEN kann 
  • Eigene Aktivität ist gefragt – im Mitdenken für Andere, im Miteinander, im Bewusstsein
    ​der folgenden Zahlen: Es sind 56,5 Millionen Menschen auf der Flucht, ​​Europa nimmt
    ​davon 1,14% auf.

Zur weiteren Information noch Ausschnitte aus einem Interview mit Jean Ziegler
(Der Tagesspiegel 7.1.2013)


„Besonders schlimm ist das „land grabbing“, also der Verkauf von zig Millionen Hektar Bauernland an ausländische Investoren. In Afrika sind deswegen 2011 die Bauern von 41 Millionen Hektar Land vertrieben worden. Die Weltbank finanziert solche Projekte mit der perfiden Begründung, die ansässigen Bauern seien nicht so produktiv wie die Agrarunternehmen."

"37 von 54 afrikanischen Staaten sind Agrarländer. Diese Bauern sind nur deshalb wenig produktiv, weil die Staaten unter ihrer Schuldenlast leiden und nicht in die Landwirtschaft investieren konnten. Den Menschen ist nicht geholfen, wenn die Konzerne dort für den Weltmarkt produzieren. Stattdessen müssten die Staaten entschuldet werden, damit sie den Kleinbauern die nötigen Mittel für Dünger, Lagerhaltung und Transport zur Verfügung stellen können. Das Ziel muss die Selbstversorgung in den armen Ländern sein."

"Im Kongo zum Beispiel plündern ausländische Bergbauunternehmen die wertvollen Erzvorkommen an Coltan und anderen Metallen in eigenen Enklaven aus und schaffen sie mit Lastwagenkolonnen zu den Häfen in Kenia. Ich habe das selbst gesehen. Und 1800 Kilometer westlich sitzt dieser Joseph Kabila, der korrupteste Hund, den es gibt, und kriegt für jede Unterschrift einen fetten Scheck. Genauso der Diktator von Kamerun, Paul Biya. Nur, diese Kleptokraten sind an der Macht, weil internationale Konzerne sie da gut brauchen können, es sind reine Marionetten."