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am 5. Juni

Augsburg – eine Stadt mit Taubengeschichte

Manuela Fiala - Wer sich mit der Thematik rund um Tauben und Taubenschläge auseinandersetzt, wird an dem Augsburger Modell nicht vorbeikommen. Wir Grüne Innere Stadt werfen einen näheren Blick auf das Modell und stellen gewonnene Erkenntnisse und Einblicke vor.

Nahaufnahme eines Taubenkopfes
Der Taubenschlag: Wie Mensch und Stadttaube besser miteinander auskommen.

Wie alles begann

​Vor 1995 war die Taubenproblematik gravierend. Der gelegentliche Abschuss der Tauben brachte keine Erfolge und war aus Tierschutzgründen mehr als nur umstritten. Um eine Lösung zu finden, wurde als erster Schritt eine Taubenzählung durchgeführt. Es wurde angenommen, dass in Augsburg 20 000 Tauben leben. Die Taubenzählung ergab jedoch, dass es sich um lediglich 2 000 Tauben handelt. In der Folge wurde zwei Jahre lang Aufklärungsarbeit getätigt um das Taubenschlag-Modell bekannt zu machen. 

​1997 wurde dann der erste Taubenschlag in einem Parkhaus in der obersten autofreien Etage errichtet. Die Voraussetzung für die Umsetzung waren zwei wichtige Beschlüsse im Stadtrat: Einerseits wurde ein Fütterungsverbot abgelehnt, da ein solches in einer Stadt mit hoher Bevölkerungsdichte nicht durchführbar ist und auch die Erfolge eines solchen Verbots nicht ausreichend sind. Andererseits wurde von der Taubenarbeitsgruppe ein Konzept zur tierschutzgerechten Regulierung der Taubenpopulation mit insgesamt 15 Taubenschlägen beschlossen. Auf Basis dieser beiden Beschlüsse konnte der Tierschutzverein in Augsburg loslegen. 

​Nach und nach wurden an Orten, wo sich besonders viele Tauben aufhielten, Taubenschläge eingerichtet und Eier ausgetauscht. An Orten, wo noch keine Taubenschläge waren, wurden kontrollierte Fütterungsplätze eingerichtet damit die Tauben ein artgerechtes Futter erhalten und nicht erkranken. Denn die Taube pickt zwar Essensreste auf, es tut ihr aber nicht gut, schwächt und macht sie krank. Im Umkreis der Taubenschläge durfte nicht gefüttert werden, damit die Tauben den Taubenschlag annehmen.​

Außenansicht eines Taubenturms mit sitzenden Tauben
Der Taubenturm – etwas kostspieliger, aber schön anzusehen.

KOSTEN und BETREUUNG DER TAUBENSCHLÄGE

Aber wie funktioniert die Aufteilung der Kosten? Auch hier wurde in Augsburg eine Lösung gefunden: Die Stadt übernimmt sämtliche Kosten der Einrichtung der Taubenschläge. Als Beispiel: Ein Taubenschlag von 25m2 in einem vorhandenen Dachboden kostet in der Einrichtung zwischen 1500 und 1800 Euro. Taubentürme, welche sehr hübsch aussehen und jeder Taube einen eigenen Zugang ermöglichen, sind sehr viel teurer. Außerdem bezahlt die Stadt 100 Euro pro Schlag an Futter, Einstreu und Schutzbekleidung per Monat. Es gibt ehrenamtliche und nicht ehrenamtliche Mitarbeiter*innen. Wer nicht ehrenamtlich arbeitet bekommt 150 Euro pro Schlag im Monat sowie  100 Euro für Betriebskosten.

Die Arbeitsgruppe sucht Standorte und kümmert sich dann um die Einrichtung des Taubenschlages und um die Betreuung. Zwei Mal pro Woche erfolgt eine Reinigung der Nistzellen, Einflugbretter und der Futtertröge.

DIE AKTUELLE SITUATION

Mittlerweile gibt es 10 Taubenschläge und 2 Taubentürme. Allerdings kommen in naher Zukunft wieder weitere dazu. So wurde etwa durch einen Umbau mitten im Zentrum ein neuer Standort gefunden.

FAZIT

Die tierschutzfreundliche Reduktion der Taubenpopulation hat Augsburg bekannt gemacht. Es gibt zahlreiche Anfragen aus vielen Ländern, welche der Tierschutzverein Augsburg hilfreich und geduldig beantwortet. Auch wenn sich die Probleme nicht über Nacht in Luft auflösen, so kann das Zusammenspiel aus Aufklärungsarbeit von Tierschutzorganisationen und progressiver Politik zu interessanten Konzepten führen, welche es wert sind, gründlich analysiert zu werden.