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am 28. Mai

Die Stadttaube in Wien – zwischen Liebe, Leid und Hass

Manuela Fiala - Wir gehen täglich an sehr vielen Tauben in der Stadt selbstverständlich vorbei. Doch was wissen wir eigentlich über dieses mit uns lebende Tier?

Eine Stadttaube stehend auf einem Geländer
Die Taube – ein fester Bestandteil des Stadtbildes.

Die Stadttaube ist ein verwildertes Haustier. Sie wurde Jahrtausende lang gezüchtet und als Nutztier, Brieftaube oder Lockvogel gehalten. Doch jetzt? Wir brauchen die Taube im herkömmlichen Sinne nicht mehr. Im Gegenteil, viele Menschen möchten sie sogar loswerden. Und dennoch lebt sie weiterhin mit uns in unserer Stadt. Warum also nicht genauer hinsehen?

Viele Städte in Europa kennen genau diese Situation und beschäftigen sich mit diversen Taubenkonzepten und Taubenbehausungen. Diese sollen eine gute Möglichkeit bieten, den Tauben eine tierschutzfreundliche Umgebung zu bieten und gleichzeitig die Population (mit dem Tausch der echten Eier gegen Gipseier) im direkten Umfeld unter Kontrolle zu bringen.

In Deutschland war das erste Modell das Augsburger Modell (1997), auf das wir in einem späteren Artikel noch genauer eingehen werden. Darauf folgten in Deutschland viele Projekte in diversen Städten. Von Hamburg, Stuttgart, Regensburg, bis Lübeck oder Braunschweig und an vielen weiteren Orten.

Drei Tauben im Taubenschlag des Stuttgarter Pilotprojektes
Das Pilotprojekt in Stuttgart zeigt vor, dass Tierwohl und Stadtleben vereinbar sind.

Wie sieht die Situation in Österreich aus?

Der erste Taubenschlag wurde 2009 in Salzburg im Hauptbahnhof eingerichtet. Zwei Dienstwohnungen (30m²) wurden zu einer Taubenbehausung und zu einem Erfolg. Eine Win-Win Situation für die Menschen in Salzburg. Begeisterte Hoteliers und Bürger*innen. Die Plätze rundherum wurden taubenfrei, da sich die Tiere fast den ganzen Tag im Schlag befanden. Dennoch wurde der Taubenschlag in Salzburg 2012 geschlossen. Doch nicht aufgrund dessen, dass er nicht funktioniert hat, sondern aufgrund räumlicher Verträge.​

Wien wurde dadurch ebenfalls auf dieses Thema aufmerksam und beschloss einen Taubenschlag einzurichten. So wurde ein Pilotprojekt im Amtshaus Meidling eingerichtet und bis zum Jahr 2020 durch die Tierschutzombudsstelle betreut. 

Kommen wir nach Innsbruck. Innsbruck hat im Moment den einzigen Taubenschlag in Österreich. Dieser funktioniert gut und konnte die mögliche Schließung aufgrund räumlicher Probleme im Frühling 2021 abwenden.

Die Innenansicht des Taubenschlags im Amtshaus Meidling
So sah der Taubenschlag des Amtshaus Meidling im Inneren aus.

GIBT ES GENAUE ZAHLEN ZUR TAUBENPOPULATION IN WIEN?

​Leider nein. Es gibt völlig unterschiedliche Zahlen in Wien. Die letzte Taubenzählung ist lange her und auch da gehen die Zahlen weit auseinander. Sie reichen von 50 000 bis hin zu 150 000 Tauben. In Berlin soll es zwischen 8000 bis 10 000 Tauben geben. Wie können die Zahlen so voneinander abweichen? Sollte nicht eine neue Taubenzählung gemacht werden? 

SCHAUEN WIR NICHT WEG!

​Wir Grüne Innere Stadt haben im Rahmen der Bezirksvertretungssitzung einen Antrag gestellt. Wir möchten mit Expert*innen zu diesem Thema sprechen um herauszufinden, welche Lösungsansätze es für Wien und insbesondere für den ersten Bezirk geben könnte. In einer fraktionsübergreifenden Arbeitsgruppe möchten wir uns diesem Thema näher widmen.

Denn egal wie man zum Thema Tauben stehen möchte:​ Es gibt viele Alternativen, viele Konzepte und viele Menschen, die sich gerne dieses Themas annehmen möchten, um dem Taubenhass in der Stadt etwas entgegen zu setzen, das Leid zu verringern und möglicherweise sogar etwas Liebevolles für diese alten neuen Haustiere zu tun. Es lohnt auf jeden Fall, sich diesem Thema zu widmen, da uns die Taube noch lange Zeit begleiten wird.