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am 9. Mai 2016

Im T-Shirt unterm Heizstrahler

Alexander Hirschenhauser - Österreich hat sich verpflichtet, internationale Klimaschutzziele zu erreichen. Gleichzeitig gibt es mehr und mehr elektrische Heizstrahler in den Schanigärten Wiens. Diese Außenheizungen sind sehr ineffizient und der Stromverbrauch ist enorm. Falls die Winteröffnung der Schanigärten kommen sollte, wird dies nochmals mehr Heizstrahler bedeuten.

Jeder einzelne Schanigarten am Graben heizt mit 32 Strahlern

Schanigärten stehen für Lebensfreude in der Stadt und wir alle genießen es, im Freien bei einem Kaffee zu sitzen, während wir das bunte Treiben auf der Straße beobachten. Manchmal schwitzend trotz Sonnenschirm, manchmal leicht fröstelnd in der Jacke und dennoch immer mit Genuss – das war einmal: In der Inneren Stadt gibt es kaum mehr Schanigärten ohne Heizstrahler und auch in anderen Bezirken Wiens werden sie immer mehr. Offensichtlich sind Außenheizungen in Mode gekommen.

Verbrauch von tausenden Haushalten

Allein in der Inneren Stadt gibt es 460 Schanigärten, in den Bezirken 7, 8 und 9 sind es insgesamt weitere 500. Jeder einzelne Gastgarten am Graben heizt mittlerweile mit 32 Strahlern und jeder dieser Strahler verbraucht 2 kW pro Stunde (mittlerweile sind auch bereits Geräte mit 4 kW im Einsatz). Wie viele dieser Geräte genau im Einsatz sind, wird bisher nicht erhoben. Die Schätzungen zum Verbrauch haben daher eine gewisse Bandbreite: Die Heizstrahler in den knapp 1.000 Schanigärten dieser vier Bezirke würden insgesamt so viel Strom verbrauchen wie 1.500 Haushalte schätzen die einen, während andere Berechnungen auf einen Vergleichswert von 8.000 Haushalten kommen.

Wir sagen: Es sind zu viele

Letztlich ist es aber jede Außenheizung eine zu viel, wenn wir die Notwendigkeit anerkennen, elektrische Energie sparsam, effizient und sinnvoll einzusetzen. Denn selbst wenn erfreulicherweise immer mehr Strom aus Sonnenenergie, Wind und Wasser gewonnen wird, benötigen wir diese, um fossile Energiequellen zu ersetzen, Elektromobilität zu fördern und kalorische sowie Atomkraftwerke abschalten zu können. Letztlich wollen wir auch nicht, dass jeder Bergrücken und alle Tiefebenen mit Windrädern verbaut oder dass alle Wildbäche in Speicherseen umgeleitet werden.

Winter-Schanigärten: noch mehr Heizstrahler

Wenn – wie derzeit diskutiert – Schanigärten ganzjährig geöffnet bleiben sollen, dann würde die Gastronomie noch mehr Heizgeräten installieren. Wir sagen: Es gibt bei weitem wichtigere Fragen zu klären und falls es wirklich zur Winteröffnung kommen sollte, dann darf dies keinesfalls ein Mehr an Außenheizungen mit sich bringen.

Wirksame Maßnahmen

Ganz im Gegenteil: Es soll weniger Heizstrahler geben. Für uns gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder ein Verbot von Freiluftheizungen aus Klimaschutzgründen, oder schmerzhafte Lenkungsabgaben, die eine deutliche Reduzierung der installierten Leistung bringen würden. Oft hören wir, das wäre juristisch nicht möglich. Nun denn, in Innsbruck hat die Gelb-Grün-Rote Stadtregierung im Feber 2016 ein Verbot der Außenheizungen beschlossen. Wir schlagen vor, dass Wien dem Innsbrucker Beispiel folgen sollte.

Immerhin haben sich bereits 4 Wiener Bezirke fraktionsübergreifend dafür ausgesprochen: Innere Stadt, Neubau, Josefstadt und Alsergrund.